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Artikel: Warum Versandkosten fair sind – und kostenloser Versand seinen Preis hat

Warum Versandkosten Fair und notwendig sind
Mode

Warum Versandkosten fair sind – und kostenloser Versand seinen Preis hat

„Kostenloser Versand“ klingt gut. Aber kostenlos ist er nie. Ein Paket verschwindet nicht auf magische Weise aus einem Lager und taucht zwei Tage später vor einer Haustür auf. Dazwischen liegen Menschen, Verpackungsmaterial, Lagerfläche, Technik, Transport und jede Menge Arbeit. All das kostet Geld.

Trotzdem hat sich im Onlinehandel eine Erwartung etabliert: Versand soll möglichst nichts kosten – und die Rücksendung am besten ebenfalls nicht. Besonders in der Modebranche ist diese Erwartung längst zu einem Wettbewerbsfaktor geworden. Große Handelsplattformen haben den Komfort zum Standard gemacht und damit die Messlatte für alle anderen Händler hochgelegt.

Das Problem dabei: Die Kosten verschwinden dadurch nicht. Sie werden nur unsichtbar.

Versand ist nie kostenlos. Die Frage ist nur, wo die Kosten auftauchen – sichtbar an der Kasse oder versteckt im Produktpreis, in der Marge oder entlang der Lieferkette.

Was Versandkosten eigentlich bezahlen

Wenn ein Onlineshop Versandkosten berechnet, bezahlt der Kunde nicht nur den Weg des Pakets vom Händler zur Haustür. Vorher muss der Artikel im Lager gefunden, kommissioniert und kontrolliert werden. Er braucht einen Karton oder Versandbeutel, möglicherweise Füllmaterial, ein Versandetikett und anschließend den Transport durch einen Paketdienst.

Dazu kommen Lagerkosten, Software, Zahlungsabwicklung und die Arbeitszeit der Menschen, die eine Bestellung bearbeiten. Und wenn einmal etwas schiefläuft, gehört auch der Kundenservice zu dieser Leistungskette.

Eine Versandgebühr macht einen Teil dieser Kosten sichtbar. Das ist nicht besonders sexy – aber ehrlich.

Warum Versandkosten sogar etwas Gutes sein können

Versandkosten werden häufig nur als Hürde im Checkout betrachtet. Aus Sicht eines Kunden ist das verständlich: Ein Produkt kostet beispielsweise 49 Euro, und plötzlich kommen am Ende noch einige Euro hinzu. Psychologisch fühlt sich das schlechter an als ein großes grünes „Versandkostenfrei“.

Aber genau diese Transparenz kann etwas Positives sein. Sie zeigt, dass der Transport eines Produkts eine reale Leistung ist und einen Wert hat.

Außerdem können angemessene Versandkosten zu bewussteren Bestellungen führen. Statt mehrere einzelne Bestellungen innerhalb weniger Tage abzuschicken, werden Einkäufe eher zusammengefasst. Und wenn auch eine Rücksendung nicht vollkommen folgenlos ist, überlegen Kunden möglicherweise etwas genauer, ob wirklich drei Größen desselben Kleidungsstücks bestellt werden müssen.

Das bedeutet nicht, dass Rücksendungen verhindert werden sollen. Kleidung muss passen, Farben wirken auf einem Bildschirm anders, und manchmal entspricht ein Artikel schlicht nicht den Erwartungen. Ein funktionierendes Rückgaberecht ist ein wichtiger Bestandteil des Onlinehandels. Es gibt aber einen Unterschied zwischen einer unkomplizierten Rückgabe und einem System, in dem Transport scheinbar überhaupt keinen Wert mehr hat.

Die Modebranche hat ein besonderes Retourenproblem

Bei Kleidung ist die Situation besonders ausgeprägt. Eine Kundin bestellt eine Jacke in drei Größen, vielleicht zusätzlich in zwei Farben, probiert alles zu Hause an und behält am Ende ein Teil. Aus Kundensicht ist das bequem und verständlich. Für den Handel entsteht allerdings eine zweite komplette Logistikkette.

Die zurückgeschickten Kleidungsstücke müssen transportiert, angenommen, ausgepackt und kontrolliert werden. Ist der Artikel wirklich ungetragen? Sind Etiketten noch vorhanden? Gibt es Flecken, Gerüche, Haare oder Make-up-Spuren? Ist die Verpackung noch verwendbar?

Je nach Zustand muss ein Kleidungsstück anschließend neu gefaltet, von Fusseln befreit, gedämpft oder gebügelt und gegebenenfalls anderweitig aufbereitet werden. Danach wird es erneut verpackt, eingelagert und hoffentlich noch einmal verkauft.

Im besten Fall entsteht dadurch nur zusätzliche Arbeit. Im schlechteren Fall kann ein zurückgeschickter Artikel nicht mehr als Neuware verkauft werden.

„Kostenlose“ Retouren sind auch für die Umwelt nicht kostenlos

Jede Rücksendung bedeutet einen weiteren Transportweg. Hinzu kommen Sortierung, Umschlag in Logistikzentren, Energie für Lager und Aufbereitung sowie häufig zusätzliches Verpackungsmaterial.

Gerade bei Kleidung werden beschädigte Versandbeutel oder Folien oft ersetzt, damit der Artikel wieder sauber und geschützt verkauft werden kann. So kann ein Kleidungsstück innerhalb kurzer Zeit mehrfach verpackt und durch das Land transportiert werden, obwohl es am Ende nur bei einer Person im Kleiderschrank landet.

Natürlich wäre es zu einfach zu behaupten, dass eine Rücksendegebühr allein das Umweltproblem des Onlinehandels löst. Gute Größenangaben, aussagekräftige Fotos, ehrliche Produktbeschreibungen, Passformhinweise und eine gute Beratung sind mindestens ebenso wichtig. Sie helfen dabei, Fehlkäufe schon vor der Bestellung zu vermeiden.

Trotzdem verändert der Preis unser Verhalten. Wenn Hin- und Rücktransport als vollkommen kostenlose Selbstverständlichkeit wahrgenommen werden, sinkt zwangsläufig die Hürde, Produkte einfach zur Auswahl zu bestellen.

Der Preis wird irgendwo bezahlt

Große Plattformen können kostenlose Lieferung und kostenlose Retouren sehr überzeugend vermarkten. Durch enorme Paketmengen erhalten sie andere Konditionen bei Logistikunternehmen als ein kleiner oder mittelständischer Händler.

Gleichzeitig verlangen solche Plattformen von den angeschlossenen Händlern Gebühren oder Provisionen für Verkäufe. Der Händler trägt damit nicht nur Einkauf, Personal, Lager und Warenrisiko, sondern muss zusätzlich einen Teil seines Umsatzes an den Marktplatz abgeben – und soll trotzdem beim Versand mit den Erwartungen konkurrieren, die genau diese Plattformen geschaffen haben.

Für große Unternehmen mit hohen Stückzahlen kann dieses Modell funktionieren. Für kleine Händler ist die Rechnung deutlich schwieriger.

Wer profitiert – und wer verliert?

Kunden profitieren zunächst sehr deutlich: Bestellen wird bequem, schnell und scheinbar risikolos. Große Plattformen profitieren ebenfalls, denn geringe Hürden erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass mehr und häufiger bestellt wird.

Auch große Händler mit automatisierten Lagern und sehr günstigen Frachtverträgen können diesen Wettbewerbsvorteil nutzen.

Schwieriger wird es für kleinere und unabhängige Händler. Sie versenden weniger Pakete, erhalten deshalb meist schlechtere Versandkonditionen und können Verluste nicht ohne Weiteres über Millionen Bestellungen verteilen.

Wenn ein kleiner Händler bei einem Artikel zehn oder zwanzig Euro verdient, können Hinversand, Rückversand, Zahlungsgebühren, Verpackung und die Bearbeitung einer Retoure einen großen Teil dieser Marge auffressen. Kommt zusätzlich eine Marktplatzprovision hinzu, kann aus einem Verkauf sehr schnell ein Nullsummenspiel werden.

Das verändert den Wettbewerb. Nicht zwangsläufig der Händler mit dem besseren Produkt, der besseren Beratung oder dem nachhaltigeren Geschäftsmodell hat einen Vorteil, sondern häufig derjenige, der Logistikkosten am besten verstecken oder über eine enorme Menge verteilen kann.

Am Ende zahlen auch Kunden für „kostenlos“

Unternehmen können dauerhaft keine Leistungen verschenken. Wenn Versand und Retouren kostenlos angeboten werden, müssen diese Kosten an anderer Stelle finanziert werden.

Eine Möglichkeit sind höhere Produktpreise. Dann bezahlt allerdings auch der Kunde, der sehr bewusst einkauft und fast nie etwas zurückschickt, indirekt die Retouren derjenigen mit, die regelmäßig mehrere Größen und Farben bestellen.

Das ist bequem, aber nicht unbedingt fair.

Eine transparente Versandgebühr trennt Produktpreis und Logistik zumindest teilweise voneinander. Der Preis eines Produkts bleibt stärker mit dem Produkt selbst verbunden, während sichtbar wird, dass auch seine Reise zum Kunden Geld kostet.

Und was ist mit den Menschen hinter der Retoure?

Retouren sind arbeitsintensiv. Pakete müssen geöffnet, Artikel geprüft, sortiert und wieder für den Verkauf vorbereitet werden. Gleichzeitig steht die Logistikbranche unter enormem Kosten- und Zeitdruck.

Es wäre falsch, pauschal zu behaupten, dass diese Arbeit überall unter schlechten Bedingungen stattfindet. Klar ist aber: Wenn Verbraucher immer schnellere und gleichzeitig kostenlose Logistik erwarten, verschwinden die tatsächlichen Kosten nicht. Der wirtschaftliche Druck wird entlang der Lieferkette weitergegeben – an Händler, Dienstleister und letztlich auch an die Menschen, die diese Arbeit erledigen.

Ein nachhaltiger Handel sollte deshalb nicht nur über CO₂ und Verpackungen sprechen, sondern auch über den Wert von Arbeit.

Was wäre ein faireres Modell?

Vielleicht müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass guter Onlinehandel automatisch kostenloser Versand in beide Richtungen bedeutet.

Ein faireres Modell kann ganz unterschiedlich aussehen: eine transparente Versandpauschale, kostenloser Versand erst ab einem sinnvollen Mindestbestellwert, eine bezahlte Rücksendung bei normalen Retouren oder kostenlose Rücksendungen dann, wenn ein Händler einen Fehler gemacht hat oder ein Produkt mangelhaft ist.

Genauso wichtig ist es, Retouren gar nicht erst entstehen zu lassen. Gute Produktfotos, echte Maße, verständliche Größeninformationen und persönliche Beratung sind in der Modebranche enorm wertvoll. Sie sind vielleicht weniger spektakulär als „Gratisversand“, können aber wesentlich nachhaltiger sein.

Versandkosten sind kein schlechter Kundenservice

Wir haben uns daran gewöhnt, Versandkosten als etwas Negatives zu sehen. Vielleicht sollten wir sie stattdessen als das betrachten, was sie sind: der Preis für eine konkrete Dienstleistung.

Ein Paket muss verpackt, bewegt und zugestellt werden. Eine Retoure muss zurücktransportiert, geprüft und wieder aufbereitet werden. Menschen leisten diese Arbeit. Fahrzeuge, Lager und Verpackungen werden dafür benötigt.

All das hat einen Preis – wirtschaftlich und ökologisch.

Deshalb können faire Versandkosten am Ende sogar etwas Gutes sein. Sie schaffen Transparenz, fördern bewusstere Bestellungen und geben auch kleineren Händlern die Chance, Onlinehandel wirtschaftlich sinnvoll zu betreiben.

„Kostenlos“ klingt zweifellos schöner. Ehrlicher ist manchmal aber ein Preis, bei dem klar ist, wofür man ihn bezahlt.

Du möchtest vor einer Bestellung genau nachsehen? In unseren Versandbedingungen findest du alle aktuellen Informationen. Wenn du in Flensburg bist, kannst du Hübsches Ding außerdem vor Ort besuchen.

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